Architektur

Die Leistung des Architekten

Viele Menschen, die ein Haus neu bauen, umbauen oder einen Altbau sanieren wollen, überlegen, ob sie einen Architekten zu Rate ziehen, schlüsselfertig bauen oder z.B. ein Bauträger-Angebot annehmen.

Die Vorteile mit einem Architekturbüro zusammenzuarbeiten, sind folgende:

Die Leistung des Architekten besteht aus drei wesentlichen Teilbereichen, die je nach Wunsch des Bauherrn einzeln, getrennt oder in Abschnitten beauftragt werden können.

1. Abschnitt: Bauplanung

Hier werden die Voraussetzungen für die Lösung der Bauaufgabe erarbeitet, Entwürfe in Abstimmung mit dem Bauherrn gemacht und bis zur Genehmigungsplanung qualifiziert.

Der Bauherr wird über alle Eventualitäten am Bau beraten und über notwendige Versicherungen informiert. Abstimmungen und Verhandlungen mit Behörden und Ämtern führt der Architekt im Sinne des Bauherrn durch.

Er ist verantwortlich für ein genehmigungsfähiges Projekt und erarbeitet die Ausführungspläne für die fachgerechte Herstellung des gesamten Gebäudes bzw. der kompletten baulichen Anlage.

In diesem Abschnitt finden sich die Leistungsphasen 1 bis 5 nach § 15 HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) wieder.

2. Abschnitt: Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe, Bauüberwachung

Der Architekt schreibt alle Leistungen, die am Bau erforderlich sind in Leistungsverzeichnisse, die geordnet nach Gewerken (z.B. Rohbauarbeiten, Zimmerarbeiten, Dachdecker- und Klempnerarbeiten etc.) in Abstimmung mit dem Bauherrn an verschiedene qualifizierte Ausführungsbetriebe geschickt werden.

Das vom Architekten erarbeitete Leistungsverzeichnis (Umfang ca. 500 bis 700 A4-Seiten für ein Einfamilienwohnhaus) ist Garant für die Vergleichbarkeit der Angebote (Bei einem Bauträger beinhaltet des „Leistungsverzeichnis“ meist allgemeine Angaben und umfasst kaum mehr als 20 Seiten). Aus den beteiligten Firmen werden diejenigen ausgesucht, die hinsichtlich Preis-Leistungs-Verhältnis, Qualität und Zuverlässigkeit das günstigste Angebot abgegeben haben.

Der Architekt bereitet den Bauvertrag vor, wo sämtliche Leistungen und Randbedingungen festgelegt sind und überwacht die fachgerechte Ausführung der Leistungen. Er koordiniert die Leistungen aller am Bau Beteiligten, optimiert Kosten, prüft Aufmasse und Rechnungen, nimmt Leistungen ab und informiert den Bauherrn über Leistungsstand, Kosten und Gewährleistungsfristen der Leistungen der einzelnen Firmen.

Mit Fertigstellung des Gebäudes und Abrechnung aller Leistungen ist dieser Abschnitt abgeschlossen. Der Bauherr hat meist durch eine gute Bauüberwachung des Architekten schon die anfallenden Architektenkosten am Bau eingespart. In diesem Abschnitt finden sich die Leistungsphasen 6 bis 8 nach § 15 HOAI wieder.

3. Abschnitt: Objektbetreuung und Dokumentation

Nach Fertigstellung des Gebäudes bietet der Architekt dem Bauherrn an, während der Gewährleistungszeiten der Ausführungsfirmen, eventuell anfallende Mängel festzustellen und deren Beseitigung zu überwachen. In diesem Abschnitt findet sich die Leistungsphase 9 nach § 15 HOAI wieder.

Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Besonders bei der Herstellung eines Gebäudes beeinflussen viele Faktoren das Gelingen des Werkes. Äußere Gestaltung und Farbgebung sind wichtig.

Wesentlich wichtiger sind jedoch die Faktoren, die nach Fertigstellung des Gebäudes nicht mehr sichtbar, sondern nur noch erlebbar sind. So sind beispielsweise Behaglichkeit, Wärmeschutz, Schallschutz, Feuchteschutz und Brandschutz im Gebäude nur durch eine fachgerechte Planung und Bauüberwachung sicher zu gewährleisten.

Betriebskosten spielen nach Gebäudefertigstellung eine große Rolle für den Bauherrn, werden sich aber nur im gewünschten Rahmen bewegen, wenn der Architekt das Gebäude zukunftsorientiert geplant hat. Ebenso kann nur ein Architekt oder Bauingenieur während der Bauausführung prüfen, ob Materialqualität, Ausführung und Verarbeitung am Bau stimmen.

Ideal für den Bauherrn ist, wenn Planung und Bauüberwachung durch einen unabhängigen Architekten übernommen werden. Der Ärger durch Mängel aus unsachgemäßer Planung und Ausführung steht in keinem Verhältnis zu den Kosten des planenden und baubetreuenden Architekten.

Wissen ist Macht

Bei Planung und Bau eines Gebäudes spielt das Wissen über alle den Bau berührenden Bereiche eine wesentliche Rolle, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Der Architekt beschäftigt sich in seiner 4-5-jährigen Ausbildung an einer Hochschule oder Universität mit folgenden Fachbereichen (Auszug): Gestalten und Entwerfen, Baukonstruktion, Gebäudelehre, Baustatik, Technologie der Baustoffe und Bauprozesse, Haustechnik, Städtebau, Bauleitplanung, Grünplanung und Landschaftsbau, Baurecht, Denkmalpflege, Ästhetik, und Psychologie. Trotz der umfassenden Ausbildung ist der Absolvent noch nicht „Architekt“.

Erst nach zwei- bis dreijähriger Berufspraxis in einem Architekturbüro, wo Kenntnisse über die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB), Bauordnungen, Baugesetzbuch, Baunutzungsverordnung, Werkvertragsrecht, Gemeinde- verordnungen, DIN-Vorschriften, alle Instanzwege bei den Behörden und EU-Recht gesammelt werden, hat er die Möglichkeit der Eintragung in die Architektenliste der Architektenkammer und kann selbständig und eigenverantwortlich Gebäude planen und die Bauausführung überwachen.

Der Architekt stellt sein gesamtes Wissen in den Dienst des Bauherrn und bewahrt ihn dadurch vor Schäden bei der Planung und Bauausführung, sowohl finanziell als auch sachlich.Macht sich das Architektenhonorar bezahlt?

Für einen geringen Teil der Gesamtkosten am Bau erhält der Bauherr das gesamte „know how“ des Architekten, nämlich alles, was er an Erfahrung, Praxis, Organisationstalent, Koordinationsvermögen, technischem Wissen, künstlerischer Intuition, Materialkenntnissen und Behördenumgangsroutine bieten kann.

Mit dem Architektenhonorar müssen alle Kosten des Architekturbüros gedeckt werden. Das Honorar ist nicht Gewinn, sondern Umsatz!
Genau wie Ärzte und Rechtsanwälte dürfen auch Architekten ihr Honorar nicht selbst bestimmen. Sie müssen sich an die Honorarordnung für Architekten (HOAI) halten. In ihr sind Mindest- und Höchstsätze festgeschrieben. Grund: Der Gesetzgeber will, dass der Wettbewerb nicht über den Preis, sondern über die Qualität stattfindet.

Meist macht sich der Einsatz eines Architekten so bezahlt, dass die Architektenkosten in der Bauausführung eingespart werden.


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